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Hörsturz: 8 Symptome, 14 Ursachen und 10 wirksame Behandlungen

Ein Hörsturz kommt wie aus dem Nichts: Plötzlich scheint eines der Ohren einfach nicht mehr richtig zu funktionieren. Wir erklären dir, was beim „Ohrinfarkt“ passiert, welche Ursachen dazu führen und wie das Problem behandelt werden kann.

Jedes Jahr erleiden laut der Deutschen Tinnitus-Liga mehr als 150.000 Menschen einen Hörsturz, möglicherweise sind es sogar noch deutlich mehr. Die Betroffenen leiden an einseitigen Hörproblemen bis zum Hörverlust, häufig kommen Ohrgeräusche hinzu. Wer solche Symptome bei sich feststellt, sollte bald einen Ohrenarzt aufsuchen.

8 Symptome eines Hörsturzes

8 Symptome eines Hörsturzes

Im Zentrum eines Hörsturzes (auch „Ohrinfarkt“ genannt) steht eine plötzliche Schwerhörigkeit in einem Ohr. Meist kommen aber auch andere Symptome hinzu:

1. plötzliches Auftreten: Bei einem Hörsturz entwickeln sich die Symptome nicht allmählich, sondern treten plötzlich auf, und zwar ohne erkennbare Ursache. Manchmal sind sie innerhalb weniger Sekunden oder Minuten einfach da, in anderen Fällen dauert es höchstens wenige Stunden, in denen sich die Symptome entwickeln.

2. Hörminderung, meist auf einem Ohr: Das zentrale Symptom eines Hörsturzes ist eine plötzliche Schwerhörigkeit. Meist ist nur ein Ohr betroffen, selten beide. Der Schweregrad der Hörminderung kann sehr unterschiedlich sein: Manchmal ist sie minimal, sodass sie kaum bemerkt wird, sie kann aber auch bis zur Taubheit auf dem betroffenen Ohr reichen.

3. verändertes Hören: Viele Betroffene berichten von einem veränderten, fremden Hörempfinden. Alles klingt irgendwie ungewohnt und verzerrt, möglicherweise treten auch doppelte Töne auf, weil ein Ohr langsamer arbeitet oder den Ton etwas höher oder tiefer wiedergibt als das andere Ohr. Die Fähigkeit, die Herkunftsrichtung eines Geräuschs zu erkennen, kann deutlich eingeschränkt sein. Laute Geräusche werden bei einem Hörsturz meist als sehr unangenehm empfunden.

4. dumpfes Gefühl und Druck im Ohr: Häufig tritt ein Druckgefühl im betroffenen Ohr auf, es fühlt sich taub und dumpf an. Viele Patienten beschreiben ein Gefühl, als stecke Watte fest im Gehörgang. Das Druckgefühl kann auch schon vor dem eigentlichen Hörsturz auftreten und ein möglicher Vorbote sein.

5. pelziges Gefühl um die Ohrmuschel: Auch die Ohrmuschel kann sich taub, pelzig oder empfindlich anfühlen.

6. Ohrgeräusche: In vielen Fällen treten Ohrgeräusche (Tinnitus) auf, zum Beispiel Rauschen oder Pfeifen, häufig in hohen Frequenzen. Diese werden oft als sehr unangenehm und belastend empfunden. Ohrgeräusche kommen jedoch auch ohne einen Hörsturz vor und müssen einzeln betrachtet werden.

7. Schwindelgefühle oder Benommenheit: In schweren Fällen können Schwindelgefühle auftreten, manche Betroffenen fühlen sich benommen und verwirrt. Kommt es zu einem anfallsartigen, stark ausgeprägten Drehschwindel mit Hörproblemen und Tinnitus, spricht das eher für die sogenannte Menière-Krankheit, eine Erkrankung des Innenohrs.

8. keine Schmerzen: Bei einem Hörsturz treten keine Schmerzen auf, Ohrenschmerzen deuten also auf ein anderes Problem hin.

Was bei einem Hörsturz passiert

Was bei einem Hörsturz passiert

Geräusche werden beim gesunden Hören durch den Gehörgang an das Mittelohr geleitet. Trommelfell und Gehörknöchelchen geben ihn dann an das Innenohr weiter. Dieses wandelt den Schall in Nervensignale um und schickt sie auf diese Weise zum Gehirn, das die Eindrücke in Gehörtes umsetzt. Bis zum Innenohr funktioniert das Hören bei einem Hörsturz noch problemlos, aber dann beginnen die Schwierigkeiten. Das Innenohr setzt die Signale nicht mehr richtig in Nervenimpulse um und gibt sie abgeschwächt oder fehlerhaft weiter.

Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt. Am wahrscheinlichsten sitzt das Problem in den sogenannten Haarzellen, den Hör-Sinneszellen im Innenohr. Wenn sie nicht ausreichend mit Blut (und damit auch mit Nährstoffen und Sauerstoff) versorgt werden, arbeiten sie nicht mehr richtig.

14 Ursachen und Risikofaktoren eines Hörsturzes

Stress – ein klassischer Risikofaktor für Hörstürze

Die genauen Ursachen eines Hörsturzes konnten bisher noch nicht erforscht werden. Äußere Ursachen (zum Beispiel ein plötzliches lautes Geräusch) können ausgeschlossen werden. Zwar führt ein solches „Knalltrauma“ zu ganz ähnlichen Symptomen, diese gelten dann aber nicht als Hörsturz. Nur wenn keine erkennbaren äußeren Einflüsse die Probleme ausgelöst haben, spricht man von einem Hörsturz. Doch woher dieser stammt, ist unklar. Sehr wahrscheinlich ist, dass es Probleme bei der Durchblutung des Innenohres gibt. Doch woher diese stammen, kann in vielen Fällen nicht herausgefunden werden. Vermutlich spielen bei der Entstehung des Hörsturzes verschiedene Faktoren zusammen. Diese Ursachen und Risikofaktoren sind bekannt:

1. Stress: Ein Hörsturz entsteht häufig in besonderen Stresszeiten. Überforderung, Termindruck und andere Stressfaktoren können die Entstehung eines Hörsturzes zumindest begünstigen. Lange Zeit galt Stress als die Hauptursache für einen Ohrinfarkt. Ob seine Bedeutung wirklich so groß ist wie angenommen, ist heute umstritten. Eine gewisse Rolle spielt Stress aber in den meisten Fällen.

2. Autoimmunerkrankungen: Bei einer Autoimmunerkrankung wendet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper und verursacht Schäden. Einige dieser Autoimmunkrankheiten, zum Beispiel rheumatische Erkrankungen, können einen Hörsturz begünstigen. In sehr seltenen Fällen liegt eine sogenannte AIED vor, eine Autoimmunerkrankung des Innenohrs, bei der die Antikörper des Immunsystems direkt das Ohr angreifen.

3. Risse in der Rundfenstermembran: Im Innenohr gibt es verschiedene Membranen, die unter anderem dem Druckausgleich dienen. Eine dieser Membranen, die sogenannte Rundfenstermembran, kann durch das Heben schwerer Lasten oder durch starke Anstrengungen mit Pressen einen Riss bekommen. Dadurch steigt der Druck im Innenohr und Flüssigkeiten können ins Mittelohr austreten. Diese sogenannten „Perilymphfisteln“ können einen Hörsturz verursachen oder begünstigen.

4. Virusinfektionen: Als mögliche Ursachen für einen Hörsturz werden auch Virusinfektionen diskutiert. Infrage kommen zum Beispiel Mumps, Masern, Influenza (die „echte“ Grippe), HIV (Aids) oder Herpes-Erkrankungen. Diese Erkrankungen können das Innenohr schädigen und damit möglicherweise einen Hörsturz verursachen.

5. Bakterielle Infektionen: Auch bei bestimmten bakteriellen Infektionen vermutet man einen Zusammenhang zu Hörstürzen. Im Gespräch sind zum Beispiel Mittelohrentzündungen, aber auch Borreliose, als Auslöser.

6. chronische Entzündungen: Lange andauernde Entzündungen des Innenohrs können dieses schädigen und damit einen Hörsturz auslösen.

7. Probleme der Wirbelsäule: Durchblutungsstörungen im Ohr können ihre Ursache auch in der Wirbelsäule haben, besonders in der Halswirbelsäule. Kommt es hier zu Wachstums- und Haltungsschäden, Fehlstellungen und Verbiegungen (Skoliose), kann dies die Durchblutung beeinträchtigen. Auch plötzliche, starke Belastungen der Halswirbelsäule, zum Beispiel durch ein Schleudertrauma, können den Hörsturz auslösen.

8. Tumore: In sehr seltenen Fällen liegt ein Tumor vor, der die Symptome verursacht. Dies ist jedoch die Ausnahme.

9. Rauchen: Starke Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Hörsturz, da Rauchen die Durchblutung im ganzen Körper beeinträchtigen kann.

Auch die Ernährung bedingt Hörstürze

10. Übergewicht: Auch Übergewicht gilt als Risikofaktor für einen Hörsturz.

11. Diabetes mellitus: Stoffwechselprobleme wie zum Beispiel Diabetes mellitus (die „Zuckerkrankheit“) können Folgen für den ganzen Körper haben. Diabetes wirkt sich unter anderem negativ auf die Durchblutung des Körpers aus und kann damit auch einen Hörsturz begünstigen.

12. Bluthochdruck und Herzprobleme: Herzprobleme und Bluthochdruck können unter Umständen Gefäßverengungen im Innenohr verursachen, die wiederum einen Hörsturz auslösen oder begünstigen können.

13. Fettstoffwechselstörungen: Auch Fettstoffwechselstörungen und ein erhöhter Cholesterinspiegel stehen als Verursacher für einen Hörsturz in der Diskussion. Bei einem zu hohen Cholesterinspiegel können sich Fette in den Blutgefäßen ablagern und diese verengen.

14. psychosomatische Leiden: Unter Umständen ist ein Hörsturz die Folge eines psychosomatischen Leidens. In diesen Fällen liegt die Ursache nicht in körperlichen, sondern seelischen Faktoren. Stress als möglicher Auslöser wurde ja schon genannt, auch Ängste, Depressionen und andere Probleme können psychosomatische Leiden auslösen. Das bedeutet nicht, dass der Hörsturz in einem solchen Fall nur „eingebildet“ wäre. Im Gegenteil: Die Symptome und Behandlungsoptionen unterscheiden sich nicht von einem Hörsturz durch andere Ursachen.

Wer ist von einem Hörsturz betroffen?

Ein Hörsturz kann in jedem Alter auftreten, nur bei Kindern ist er selten. Frauen und Männer sind annähernd gleich häufig betroffen, die meisten Hörstürze treten ab einem Alter von 40 Jahren auf.

10 Behandlungen bei einem Hörsturz

10 Behandlungen bei einem Hörsturz

In etwa der Hälfte aller Fälle heilen die Symptome eines Hörsturzes innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder ab. Trotzdem solltest du in jedem Fall einen HNO-Arzt aufsuchen. Eine zügige Behandlung kann entscheidend dafür sein, ob dauerhafte Ohrgeräusche oder Höreinschränkungen bleiben oder nicht. Nicht alle Behandlungsmöglichkeiten eines Hörsturzes werden allerdings von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, auch wenn sie sinnvoll und notwendig sind. Der Grund: Weil die genauen Ursachen meist nicht bekannt sind, ist es schwer, eine gezielte Therapie zu entwickeln. Es gibt zwar eine ganze Reihe verschiedener Ansätze, doch es ist nicht eindeutig geklärt, welcher davon den anderen überlegen ist. Nicht bei allen Therapieansätzen liegen ausreichende Studien vor, die die Wirksamkeit belegen. Lass dich von deinem HNO-Arzt beraten, welche Möglichkeiten es für dich gibt. Diese Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

1. Akutbehandlung mit Kortisonpräparaten: Als erste Maßnahme setzt der HNO-Arzt meistens ein Glukokortikoid ein, vor allem dann, wenn der Verdacht auf ein entzündliches Geschehen besteht. Kortison hat eine sehr gute Wirkung gegen Entzündungen und wirkt stark abschwellend. Die Medikamente werden als Tabletten gegeben oder in Form von Infusionen verabreicht.

2. Intratympanale Therapie: Auch bei dieser Therapieform gibt der HNO-Arzt ein Kortisonpräparat. Allerdings wird es direkt ins Ohr gespritzt. Der Vorteil: Die Konzentration des Wirkstoffs im Mittelohr ist höher und die Belastungen des Körpers durch das Kortison ist geringer. Bei der intratympanalen Therapie wird das Ohr örtlich betäubt und dann mit einer sehr feinen Nadel das Trommelfell durchstochen, um das Medikament ins Mittelohr einzubringen. Von dort wandert es dann weiter ins Innenohr. Im Normalfall wächst das kleine Loch im Trommelfell rasch wieder zu, nur in seltenen Fällen kann es zu einem bleibenden Loch oder zu Mittelohrentzündungen als Nebenwirkung kommen. Die intratympanale Therapie wird vor allem dann eingesetzt, wenn die Kortisoninfusionen oder -tabletten keine ausreichende Wirkung gezeigt haben oder wenn diese aus unterschiedlichen Gründen nicht infrage kommen.

3. Therapie mit Rheologika: Rheologika sind Medikamente, die den Blutfluss verbessern sollen. Im deutschsprachigen Raum waren rheologische Infusionen lange Zeit eine Standardbehandlung bei einem Hörsturz. Inzwischen ist die Therapie nicht mehr üblich, wegen fehlendem Wirkungsnachweis und häufigen Nebenwirkungen.

4. Lokale Betäubungsmittel: Unter Umständen kann der HNO-Arzt Infusionen mit bestimmten Lokalanästhetika verabreichen. Diese können die Funktion der Haarzellen verbessern und damit die Symptome des Hörsturzes abmildern. Vor allem die Hörgeräusche können durch diese Therapieform abgemildert werden. Allerdings ist die Gefahr hoch, dass sie nach der Therapie zurückkehren. Klare Aussagen über die Langzeitwirkung konnten bisher nicht getroffen werden. Zudem sind bei falscher Dosierung schwere Nebenwirkungen möglich, zum Beispiel Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle. Diese Behandlung wird deshalb eher selten angewandt und sollte immer in einer Klinik stattfinden.

5. Operative Behandlung einer Verletzung des runden Fensters: Wenn ein Riss in der Rundfenstermembran für wiederkehrende Hörstürze verantwortlich ist, kann dieser mit einer kleinen Operation geschlossen werden. Dabei wird ein Gewebelappen über den Riss gelegt. Die Operation ist allerdings umstritten und wird nur in seltenen Fällen durchgeführt, wenn der Hörsturz sehr schwer ist, immer wiederkehrt oder auf andere Therapien nicht anschlägt.

6. Blutreinigung: Einige Ärzte versuchen, mit einer intensiven Blutreinigung unerwünschte Inhaltsstoffe wie Cholesterin aus dem Blut herauszufiltern. Dadurch sollen sich auch die Beschwerden des Hörsturzes bessern. Das Verfahren ist allerdings sehr aufwendig: Es wird in Dialysezentren durchgeführt und dauert lange. Dadurch ist es auch sehr teuer und wird üblicherweise nicht von den Krankenkassen übernommen, weil Beweise für die Wirksamkeit fehlen.

7. Sauerstofftherapie in der Druckkammer: Bei der sogenannten hyperbaren Sauerstofftherapie sitzen Patienten in einer Druckkammer und atmen reinen Sauerstoff ein, der das Gehör positiv beeinflussen soll. Die Therapie ist nur innerhalb einer Druckkammer möglich, normale Sauerstofftherapie bringt keine positiven Effekte. Auch diese Behandlungsform ist jedoch umstritten und wird üblicherweise nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

8. Behandlung von Grundkrankheiten: Liegt eine Grundkrankheit vor, zum Beispiel Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, muss diese separat behandelt werden, um weitere Hörstürze zu verhindern.

9. Ruhe und Erholung: Da Stress weiterhin als wichtiger Faktor bei der Entstehung von Hörstürzen angesehen wird, ist nach einem solchen Ruhe besonders wichtig. Schalte einen Gang zurück und versuche, Stress dauerhaft abzubauen.

10. Psychotherapeutische Maßnahmen: Gelingt der Stressabbau nicht oder liegen andere Probleme vor, die ein psychosomatisches Leiden verursachen, können psychotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein.

Vorsicht vor unseriösen Therapieangeboten

Bei einem so diffusen Geschehen und so großen Therapieunsicherheiten wie bei einem Hörsturz gibt es immer auch unseriöse Therapieangebote. Geschäftemacher bieten für viel Geld wirkungslose Methoden an, die den Hörsturz beseitigen sollen. Aufmerksam werden solltest du, wenn behauptet wird, man wüsste nun die Ursachen für einen Hörsturz. Auch bei Heilungsversprechen ist Skepsis angebracht, ebenso bei Methoden, die gleichzeitig gegen andere Probleme helfen sollen. Sprich im Zweifel mit deinem HNO-Arzt über die angepriesene Therapiemethode und lass dir erklären, was dahintersteckt.

So kannst du einem Hörsturz vorbeugen

Ganz sicher kann man einen Hörsturz nicht vermeiden, da die genauen Ursachen nicht bekannt sind. Wenn du jedoch einige der Risikofaktoren ausschaltest, schützt du damit auch dein Gehör. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Ernähre dich gesund und ausgewogen, mit viel frischem Obst und Gemüse.
  • Falls du übergewichtig bist, strebe eine Gewichtsabnahme an – siehe auch unsere Ratgeber zu schnell abnehmen und zu gesund abnehmen.
  • Sorge für regelmäßige Bewegung, am besten im Freien.
  • Verzichte auf das Rauchen – hier findest du hilfreiche Tipps dazu.
  • Nimm regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr, um Probleme wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
  • Vermeide Stress und sorge für ausreichend Erholungszeit.
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