Skip to main content

Kortison: 10 Wirkungen, 3 Irrtümer und 10 Nebenwirkungen von Präparaten

Kortison gehört zu den bekanntesten und vielseitigsten Medikamenten überhaupt. Es wird für viele unterschiedliche Krankheiten eingesetzt, kann allerdings auch starke Nebenwirkungen haben. Doch ist die Angst vieler Patienten begründet?

Kortison (auch Cortison geschrieben) basiert auf einem körpereigenen Hormon, dem Kortisol. Dieses ist lebenswichtig und übernimmt viele zentrale Aufgaben im Körper. Es gehört zu den sogenannten Glukokortikoiden, zu denen auch die Medikamente mit Kortisolwirkung gehören. Umgangssprachlich hat sich der Begriff „Kortison“ für alle Präparate durchgesetzt. Wir erklären dir, was es mit dem Medikament auf sich hat und welche Wirkungen und Nebenwirkungen zu erwarten sind. Außerdem räumen wir mit einigen Irrtümern auf und erklären dir, was du bei der Kortisoneinnahme beachten solltest.

10 Wirkungen von Kortison

10 Wirkungen von Kortison – etwa bei Gelenkerkrankungen

Kortison kann sehr vielseitig eingesetzt werden und ist deshalb für unterschiedliche Erkrankungen hilfreich. Es gehört wohl zu den wichtigsten Medikamentengruppen überhaupt. Kortisonpräparate sind in den verschiedensten Darreichungsformen erhältlich: als Creme und Salbe, Tabletten und Kapseln, Nasensprays, Inhalatoren, Spritzen und Injektionen, Zäpfchen oder Augentropfen. Einige wichtige Anwendungsgebiete von Kortison sind diese:

Kortison bei Gelenkerkrankungen

Rheuma, Arthritis und andere entzündliche Gelenkerkrankungen sprechen sehr gut auf Kortison an. Der Grund: Kortison wirkt sehr stark gegen Entzündungen. Deshalb spielt es bei der Behandlung von Rheuma eine zentrale Rolle. Häufig nehmen die Patienten es über längere Zeit in Tablettenform ein. In akuten Fällen wird dann zusätzliches Kortison in das betroffene Gelenk gespritzt, um die Entzündung rasch abklingen zu lassen.

Kortison bei Asthma

Auch bei Asthma und anderen Lungenerkrankungen spielen Entzündungsreaktionen eine große Rolle. Kortisonhaltige Inhalationssprays verbessern oder heilen die Entzündungen in den Bronchien. Außerdem reduzieren sie die Schleimproduktion und machen die Bronchien weniger anfällig.

Kortison bei Allergien

Kortison bei Allergien

Kortisonhaltige Nasensprays und Augentropfen werden bei Allergien wie Heuschnupfen angewendet. Der Körper nimmt diese Sprays und Tropfen besonders schnell auf, sodass die Allergiesymptome gemildert werden. Kortison ist außerdem in der Lage, Immunreaktionen zu reduzieren, was wiederum die Allergien verbessert. Weil es auch bei heftigen allergischen Reaktionen sehr schnell hilft, ist Kortison ein Bestandteil von Notfallsets, zum Beispiel bei einer bestehenden Allergie gegen Insektengifte.

Kortison bei Hauterkrankungen

Kortison wirkt gegen ganz unterschiedliche Hauterkrankungen, zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte, Ekzeme oder Hautausschläge. Salben und Cremes helfen, die Symptome zu reduzieren, Juckreiz und Entzündungen zu mindern. Allerdings muss die Hauterkrankung klar diagnostiziert sein. Es gibt nämlich auch Hautprobleme, die auf Kortison nicht anschlagen oder sich sogar verschlimmern.

Kortison für die Lungenreifung bei drohender Frühgeburt

Droht eine Frühgeburt, wird die Mutter, wenn möglich, vorsorglich mit Kortison behandelt. Der Grund: Die Lunge bei sehr früh geborenen Babys ist häufig noch nicht ausgereift, sodass Atemprobleme und schwere Komplikationen drohen. Kortison beschleunigt die Reifung der Lunge und trägt dazu bei, die Chancen des Babys auf eine gesunde Entwicklung sowie die Überlebenschancen deutlich zu erhöhen. Vorgeburtliches Kortison reduziert bei ihnen außerdem das Risiko für Hirnblutungen und schwerwiegende Darmerkrankungen.

Kortison nach einer Organtransplantation

Neben der entzündungshemmenden Wirkung hat Kortison auch einen starken Einfluss auf das Immunsystem. In hohen Dosen reduziert es Immunreaktionen und ist deshalb unter anderem für Patienten nach einer Organtransplantation wichtig. Es wird in den ersten Wochen oder Monaten (teils auch länger) zusätzlich zu den eigentlichen Immunsuppresiva eingenommen.

Kortison in der Krebstherapie

Kortison in der Krebstherapie

In der Krebstherapie spielt Kortison gleich mehrere Rollen: Zum einen kann es ergänzend zu anderen Schmerzmitteln gegeben werden, um Tumorschmerzen zu lindern und die Atmung zu erleichtern. Zum anderen reduziert es Übelkeit, eine sehr häufige Nebenwirkung von Chemotherapien. Es kann außerdem den Appetit anregen und die Stimmung aufhellen. Unter Umständen trägt das Kortison sogar dazu bei, Krebszellen abzutöten.

Kortison bei Autoimmunkrankheiten

Bei einer Autoimmunkrankheit führen überschießende Reaktionen des Immunsystems zu Schädigungen des Körpers. Viele Autoimmunkrankheiten gehen mit Entzündungen einher und lassen sich deshalb mit Kortison gut behandeln. Außerdem reduziert das Kortison ganz direkt die übertriebene Aktion des Immunsystems. Beispiele für Autoimmunkrankheiten sind entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Kortison bei Hormonmangel

Wie schon erwähnt ist Kortisol ein natürliches Hormon, das im menschlichen Körper produziert wird und wichtige Funktionen übernimmt. Unter bestimmten Umständen kann es jedoch zu einem Mangel an Kortisol kommen, zum Beispiel bei Störungen der Hirnanhangsdrüse oder Erkrankungen der Nebennierenrinde. In solchen Fällen ersetzen Cortisonpräparate das fehlende Hormon.

Kortison bei Tinnitus und Hörsturz

Bei einem Hörsturz können die Betroffenen plötzlich deutlich schlechter hören. Auch Schwindelgefühle und Druck im Ohr gehören zu den typischen Symptomen. Beim Tinnitus treten dagegen plötzliche Ohrgeräusche auf, die längere Zeit anhalten. In beiden Fällen spielt Kortison bei der Behandlung eine zentrale Rolle.

3 Irrtümer über Kortison

3 Irrtümer über Kortison

Viele Patienten haben große Vorbehalte gegenüber Kortison. Grund sind einerseits mögliche Nebenwirkungen, die unter Umständen auftreten können. Andererseits sind aber auch verschiedene Irrtümer über Kortison verbreitet, die Ängste schüren.

„Kortison ist ein sehr starkes Medikament“

Viele Patienten haben den Eindruck, Kortison sei ein „Chemiehammer“, den sie einnehmen müssen. Sie wünschen sich sanftere Methoden. Was ihnen dabei jedoch nicht klar ist: Die Darreichungsform und Menge des Kortisonpräparats kann sehr unterschiedlich sein. In hohen Dosierungen und über lange Zeit ist Kortison tatsächlich ein sehr starkes Medikament mit großen Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen. In vielen Fällen werden jedoch nur niedrige Dosen eingesetzt, die eine sanfte Wirkung haben und ungefährlich sind. In früheren Jahrzehnten setzte man Kortison meist übermäßig heftig ein. Inzwischen gibt es jedoch viele Möglichkeiten, die Kortisonpräparate sehr zielgerichtet und damit so sanft wie möglich einzusetzen. Die Dosierung wird deshalb immer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt.

„Kortison hat immer starke Nebenwirkungen“

Tatsächlich können bei langer Kortisonbehandlung deutliche Nebenwirkungen auftreten. Deshalb widmen wir diesem Thema weiter unten noch mehr Aufmerksamkeit. In vielen Fällen müssen Patienten diese Nebenwirkungen jedoch nicht fürchten. Gerade Salben und Nasensprays sind ungefährlich und führen kaum zu Nebenwirkungen. Auch bei Tabletten ist die Dosierung oft so niedrig, dass keine starken schädlichen Wirkungen zu befürchten sind.

„Kortison macht süchtig“

Viele Menschen glauben, dass Kortison abhängig macht. Tatsächlich kommt jedoch selbst bei jahrelanger Anwendung nur sehr selten ein Gewöhnungseffekt oder eine Abhängigkeit vor. Allerdings kann es passieren, dass die Nebenniere nach einer langen Kortisoneinnahme ihre eigene Hormonproduktion vorübergehend reduziert. Deshalb setzt man Kortison oft nicht abrupt ab, sondern schleicht die Dosis langsam aus, damit die Nebenniere ihre Tätigkeit wieder in vollem Umfang aufnimmt. Ein weiterer Vorteil beim Ausschleichen: Man verhindert dadurch, dass Entzündungen womöglich wieder aufflammen.

10 Risiken & Nebenwirkungen von Kortisonpräparaten

10 Risiken & Nebenwirkungen von Kortisonpräparaten

Ein kurzfristiger Einsatz von Kortisonmedikamenten (etwa über zwei bis drei Wochen hinweg) ist selten problematisch. Auch die längere Behandlung mit geringen Dosierungen, vor allem bei der lokalen Anwendung mit Cremes oder Sprays, ist unbedenklich. Werden allerdings hohe Dosierungen eingesetzt und dauert die Behandlung lange an, dann sind auch Nebenwirkungen und Risiken möglich.

Wassereinlagerungen im Gewebe

Die meisten Menschen denken bei Kortison gleich an runde, verquollene Gesichter. Diese Nebenwirkung trat in der Vergangenheit häufig auf, ist heute aber viel seltener geworden. Grund für die Schwellungen sind Wassereinlagerungen im Gewebe. Diese können nicht nur im Gesicht, sondern auch am Bauch, dem Nacken, den Armen und anderen Körperstellen vorkommen. Wenn möglich wird die Dosierung jedoch so gering gewählt, dass es nur zu leichten Wassereinlagerungen kommt und das typische „Mondgesicht“ ausbleibt. Bei langen und hoch dosierten Gaben kommt diese Nebenwirkung jedoch trotzdem vor.

Gewichtszunahme

Gewichtszunahme als Risiko – und was man dagegen tun kann

Kortison beeinflusst den Stoffwechsel und kann für gesteigerten Appetit sorgen. Dies ist unter Umständen eine gewünschte Wirkung (zum Beispiel bei der Behandlung von Krebspatienten), kann aber auch zu unerwünschter Gewichtszunahme führen. Hinzu kommen die schon erwähnten Wassereinlagerungen, die das Gewicht zusätzlich erhöhen können. Auch diese Nebenwirkungen treten jedoch vor allem bei hoch dosierter Gabe auf und verschwinden nach dem Absetzen wieder. Hilfreich ist es, während der Kortisoneinnahme vermehrt auf eine gesunde Ernährung zu achten.

Osteoporose

Bei einer sehr langen Einnahme von Kortison kann das Risiko für Osteoporose deutlich steigen. Bei dieser Erkrankung werden die Knochen porös und brechen leichter. Bei einer Dauerbehandlung behalten Ärzte deshalb die Knochendichte genau im Auge. Reduzieren kannst du das Risiko, indem du dich kalziumhaltig ernährst und Sport treibst. Auch die Versorgung mit Vitamin D ist wichtig, um Osteoporose vorzubeugen. Dieser Stoff wird durch Sonneneinstrahlung auf der Haut gebildet, muss in unseren Breiten aber häufig zusätzlich eingenommen werden. Der Einsatz lokaler Kortisonmittel, also als Creme oder Spray, ist übrigens ungefährlich für die Knochen.

Diabetes

Kortison wirkt auf den Zuckerstoffwechsel ein und das kann im schlimmsten Fall Diabetes mellitus (die „Zuckerkrankheit“) zur Folge haben. Bei einer länger dauernden Behandlung mit Kortison behält man deshalb den Blutzuckerspiegel im Auge, um rechtzeitig reagieren zu können.

Gesteigerte Infektanfälligkeit

Eine der wichtigsten Wirkungen von Kortison betrifft das Immunsystem: Kortison reduziert die Abwehrmechanismen des Körpers und lässt auf diese Weise Entzündungen abklingen. Diese erwünschte Wirkung hat jedoch auch Nachteile: Wird das Immunsystem zu stark in seiner Wirkung beeinträchtigt, wird der Körper anfälliger für Infekte, Pilzerkrankungen und andere Probleme.

Psychische Wirkungen

Manche Patienten berichten unter der Kortisonanwendung von vorübergehenden psychischen Veränderungen. Diese können ganz unterschiedlich sein: Manchmal wirkt das Kortison stimmungsaufhellend, in anderen Fällen dämpft es die Stimmung bis hin zu depressiven Symptomen. Auch Gereiztheit, Nervosität und Aggressivität können unter der Behandlung mit Kortison auftreten. Sie klingen jedoch spätestens nach dem Absetzen des Medikaments wieder ab.

Hautveränderungen

Schon in niedrigeren Dosierungen kann Kortison die Haut in Mitleidenschaft ziehen. Sie wird dann dünn, pergamentartig und anfällig für Akne und andere Probleme. Auch Dehnungsstreifen können auftreten.

Vermindertes Längenwachstum bei Kindern

Bei Kindern kann die längerfristige Gabe von Kortison das Längenwachstum beeinträchtigen. Um diese Nebenwirkung zu verhindern, werden die Dosierungen gerade bei Kindern so gering und die Behandlungszeiten so kurz wie möglich gehalten.

Erhöhter Blutdruck

Je nach Veranlagung und Alter, aber auch nach Dosierung der Medikamente kann es zu einer schwächeren oder stärkeren Blutdruckerhöhung kommen. Das ist vor allem deshalb bedenklich, weil Bluthochdruck die Gefahr für Herzkrankheiten deutlich erhöht. Der Blutdruck sollte deshalb bei Langzeitbehandlungen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf medikamentös gesenkt werden.

Augenkrankheiten

Lang andauernde Kortisonbehandlungen können die Gefahr für Grünen Star (eine Erkrankung mit erhöhtem Augeninnendruck) und Grauen Star (Linsentrübung) erhöhen. Aus diesem Grund werden kortisonhaltige Augentropfen nur nach genauer Prüfung eingesetzt.

So nimmst du Kortisonpräparate richtig ein

So nimmst du Kortisonpräparate richtig ein

Wenn du einige Punkte beachtest, kannst du die Wirkung deines Kortisonmedikaments voll ausnutzen und die Gefahr von Nebenwirkungen reduzieren. Das sind die 10 wichtigsten Tipps:

1. Die meisten Kortisonmedikamente sind verschreibungspflichtig, und das aus gutem Grund. Die Dosierung muss genau angepasst werden und man muss mögliche Nebenwirkungen im Auge behalten. Deshalb solltest du Kortison niemals ohne ausdrückliche Empfehlung deines Arztes einnehmen. Selbst wenn du von einer früheren Behandlung noch ein Kortisonmedikament im Haus hast, ist es wichtig, bei einer neuerlichen Erkrankung mit dem Arzt Rücksprache zu halten, bevor du das Medikament einnimmst.

2. Nimm das Medikament genau nach Anweisung deines Arztes beziehungsweise nach Packungsbeilage ein. Du solltest auf keinen Fall selbst die Dosierung erhöhen oder reduzieren. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Medikament zu stark oder zu schwach wirkt, sprich mit deinem Arzt.

3. Setze Kortisonmedikamente nicht plötzlich ab, sondern besprich mit deinem Arzt, ob du das Präparat langsam ausschleichen sollst.

4. Der Körper produziert nicht den ganzen Tag über die gleiche Menge an Kortisol. Die Hauptproduktion liegt am frühen Morgen. Deshalb solltest du deine Kortisontabletten möglichst morgens vor acht Uhr einnehmen, um dich dem natürlichen Hormonrhythmus anzupassen.

5. Behalte mögliche Nebenwirkungen im Auge und informiere deinen Arzt, falls du unerwünschte Reaktionen feststellst.

6. Ernähre dich während deiner Kortisonbehandlung möglichst gesund und ausgewogen. Achte vor allem auf genügend Kalzium in deiner Ernährung, um deine Knochen zu schützen.

7. Wenn du über lange Zeit Kortison einnehmen musst, solltest du deine Knochendichte, deinen Blutdruck und deinen Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrollieren lassen. Gehe außerdem regelmäßig zum Augenarzt.

8. Einige Cremes mit geringer Kortisondosis sind ohne Rezept erhältlich. Sie sollten dennoch nur kurz angewendet und nicht großflächig aufgetragen werden. Auch für verletzte Haut sind sie nicht geeignet.

9. Kortison kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Deshalb ist es wichtig, den Arzt über alle Arzneimittel zu informieren, die du einnimmst. Nimm während der Kortisonbehandlung keine Medikamente ohne Absprache ein, auch keine frei verkäuflichen.

10. Wenn du durch die Kortisongabe vermehrt zu Infekten neigst, solltest du besonders häufig deine Hände waschen, Menschenansammlungen meiden und möglichst wenig Kontakt mit erkrankten Personen haben. Auch Impfungen können sinnvoll sein.

Ist Kortison Fluch oder Segen?

Man könnte sagen: Beides. Kortison ist ein wirksames Mittel bei schweren Erkrankungen und oft sogar lebensrettend. In vielen Fällen gibt es kein besseres Medikament. Kortison beeinflusst das Leben von unzähligen Menschen positiv, nimmt ihnen ihre Schmerzen und erhöht ihre Lebensqualität und -erwartung. Umgekehrt sind starke Nebenwirkungen nicht selten. Deshalb gilt bei Kortison der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (10 votes, average: 4,60 out of 5)
Loading...