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Ingwer: 3 Wirkungen, 4 Anwendungen + 5 Tipps zur gesunden Heilpflanze

Ingwer: Anwendungen, Wirkungen und Risiken der Heilpflanze

Lange Zeit wurde Ingwer auf seine Rolle als Küchengewürz reduziert. Doch auch wenn sich der aromatische Geschmack der Knolle hervorragend zu Kochen eignet, ist Ingwer seit einigen Jahren in einem anderen Bereich auf dem Vormarsch: Immer mehr medizinische Studien belegen die vielen gesundheitsfördernden Wirkungen der Pflanze. In Zeiten, in denen eine gesunde, bewusste Ernährung für viele Menschen so wichtig ist wie schon lange nicht mehr, ist Ingwer damit schnell in den Fokus gerückt. Doch wie gesund ist die unscheinbare Knolle wirklich?

Ursprung und Verbreitung von Ingwer

Ursprung und Verbreitung von Ingwer

Wurzel ohne Wurzeln: Die ursprüngliche Herkunft des Ingwers ist unbekannt. Heutzutage ist er vor allem in Indien, China und Teilen von Afrika verbreitet, wird aber schon seit Tausenden von Jahren im ostasiatischen Raum angebaut und genutzt. Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. fand der Ingwer Eingang in die traditionelle chinesische und indische Medizin, wo er bis heute verwendet wird. In der Antike gelangte die Pflanze dann nach Europa, und bereits im Mittelalter erfreute sie sich als Gewürz großer Beliebtheit. Ingwer ist also nicht nur Superfood und Heilpflanze, sondern hat auch eine große Tradition.

Anwendung und Wirkung von Ingwer

Während Ingwer in Ostasien schon seit Jahrtausenden als Heilmittel genutzt wird, hat die westliche Medizin die Wurzelpflanze erst vor kurzem für sich entdeckt. Nichtsdestotrotz existieren schon reichlich Studien zu den Anwendungsgebieten und Wirkungsweisen des Ingwers.

Ingwer gegen Übelkeit und Brechreiz

Ingwer gegen Übelkeit und Brechreiz

In erster Linie gilt Ingwer als ein wirkungsvolles Mittel gegen Übelkeit und Brechreiz. Die Knolle enthält Inhaltsstoffe, die sich genauso vorteilhaft auf einen gereizten Magen auswirken wie das chemische Äquivalent in Medikamenten gegen Reiseübelkeit. Wem also im Auto, im Zug oder im Flieger oft schlecht wird, ist gut beraten damit, sich eine halbe Stunde vor Reisebeginn mit Ingwer-Tabletten, Kapseln oder Tropfen zu versorgen. Falls die Reise länger als vier Stunden dauert, sollte die Dosis zwischendurch noch einmal aufgefrischt werden. Und wer zuhause spontan von Übelkeit befallen wird, kann sich auch einfach so ein Stückchen Ingwer schälen und zerkauen. Bei regelmäßiger Einnahme kann sich Ingwer sogar bei Chemotherapien positiv auf die übelkeitsgeplagten Patienten auswirken.

Die scharfe Wurzel ist aber nicht nur als Mittel gegen rebellierende Mägen zu empfehlen, sondern entfaltet auch im restlichen Verdauungstrakt eine wohltuende Wirkung. Wer an Blähungen, Krämpfen oder Verstopfung leidet, kann seine Beschwerden mit Ingwer lindern, und da die scharfen Stoffe in dem Gewürz die Gallensaftproduktion anregen, eignet es sich ebenfalls gut nach fettigen Speisen zur verdauungsfördernden Einnahme.

Ausnahmen: Schiffsreisen, Schwangerschaften und empfindliche Mägen

Schlechte Nachrichten für alle brechreizanfälligen Schiffsfahrer: Hier versagt Ingwer als ansonsten probates Magen-Mittel. Hier sollten Betroffene stattdessen auf herkömmliche Mittel aus der Apotheke zurückgreifen.

Auch in der Schwangerschaft ist Ingwer nur mit Vorsicht zu genießen. Einerseits zeigen die übelkeitslindernden Wirkungen der Wurzel für werdende Mütter eine verlockende Alternative zu chemischen Magenpräparaten auf. Andererseits wird die Frage, ob sich das Gewürz nachteilig auf die Schwangerschaft und das ungeborene Kind auswirken kann, in der Forschung noch immer kontrovers diskutiert. Aufgrund seiner durchblutungsfördernden Wirkung besteht theoretisch die Gefahr, dass der Verzehr von Ingwer frühzeitige Wehen auslösen könnte. Schwangere sollten sich deshalb am besten individuell von ihrem Hausarzt beraten lassen, ob und in welchem Ausmaß sie sich die aromatische Knolle zuführen sollten.

Wer einen empfindlichen Magen besitzt, sollte bei der Einnahme von Ingwer ebenfalls Vorsicht walten lassen und sich zur Sicherheit mit einem Arzt absprechen. Da die Wurzel die Produktion von Magensäure fördert, kann es bei Betroffenen schnell zu Sodbrennen und anderen unangenehmen Reaktionen kommen.

Muskeln und Gelenke

Ingwer bei schmerzenden Muskeln und Gelenken

Mehrere klinische Studien haben festgestellt, dass Ingwer sich zusätzlich zur Standardtherapie positiv auf Arthrose- und Rheumaschmerzen auswirken kann. Die Pflanze besitzt entzündungshemmende, schmerzstillende und durchblutungsfördernden Eigenschaften, die unter anderem auch bei der Behandlung von Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden und Blutgerinnungsstörungen nützlich sein können. Warme Wickel mit Ingwer können ferner zur Linderung von Muskelkater eingesetzt werden.

Achtung: Wer eine erhöhte Blutungsneigung hat oder hohen Blutdruck, sollte lieber die Finger von der Heilpflanze lassen. Denn Ingwer kann den Blutfluss bei Betroffenen unvorteilhaft verstärken. Das gilt auch für Frauen, die eine besonders starke Menstruationsblutung haben – hier sollte besser auf andere entkrampfende Mittel zurückgegriffen werden. Auch in diesen Fällen gilt: Im Zweifelsfall sollte der Verzehr mit einem Arzt besprochen werden.

Ingwer für bessere Haut und Haare

Ingwer für bessere Haut und Haare

Aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung ist Ingwer ein beliebter Inhaltsstoff in natürlichen Kosmetika. Gesichtscremes, Peelings, Haarkuren und konzentrierte Dosen des ätherischen Öls sollen für eine straffere, glattere Haut, weniger Unreinheiten und dichteres, stärkeres Haar sorgen.

Auch die Hollywood-Stars haben die Heilpflanze inzwischen für sich entdeckt. In der Pflegeroutine der Hollywood-Ikonen spielt Ingwer allerdings nur eine untergeordnete Rolle – vielmehr ist das Gewürz dort zu einem Lifestyle-Objekt avanciert. Sängerinnen und TV-Ikonen wie Selena Gomez oder Kendall Jenner schwören auf die Einnahme eines täglichen Ingwer-Shots, am besten zum Frühstück. Wenige Milliliter dieser Flüssigkeit, die stilecht aus klassischen Shot-Gläsern getrunken wird, beinhalten hochkonzentriertes Ingwerextrakt. Wer schon einmal auf einem rohen Stück der Wurzel herumgekaut hat weiß, wie intensiv Ingwer auf die Geschmacksnerven einwirkt. Ein ganzes Shot-Glas mit konzentriertem Ingwersaft steht seinem alkoholischen Äquivalent geschmacklich dementsprechend kaum nach. Doch warum schwören die Stars auf das konzentrierte Extrakt.

Hartnäckige Ingwer-Mythen

Hartnäckige Ingwer-Mythen

Dass Ingwer sehr gesund ist und sich in vielerlei Hinsicht positiv auf den Körper auswirkt, haben wir bereits festgestellt. Nichtsdestotrotz gibt es Stimmen, die die Arzneipflanze entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Allheilmittel stilisieren. Ingwer soll Erkältungen vorbeugen, das Abnehmen erleichtern und Krebs heilen. Diese Liste lässt sich fast beliebig erweitern – Ingwer stärkt die Konzentrationsfähigkeit, senkt den Cholesterinspiegel, entgiftet die Leber, fördert das Muskelwachstum und so weiter.

Mit anderen Worten: Dieselben wundersamen Eigenschaften, die Superfoods wie Chiasamen, Goji-Beeren und Co. zugeschrieben werden, werden hier auf die Ingwerwurzel übertragen. Das kann problematisch sein, weil zu dem Großteil dieser Behauptungen bisher keinerlei medizinische Erkenntnisse vorliegen, die sie stützen würden. Die tatsächlichen, wissenschaftlich erwiesenen Vorteile der Knolle werden von solchen Märchen aber oft in den Hintergrund gedrängt. Dabei haben viele Ingwer-Mythen wahrscheinlich sogar einen wahren Kern.

Inhaltsstoffe von Ingwer

Die Idee, dass Ingwer gegen Erkältungen hilft und das Immunsystem stärkt, rührt sicher von den vielen nützlichen Inhaltsstoffen der Pflanze: Vitamin A, B und C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium und viele mehr. Dass sich eine solche Vitaminbombe auf Dauer positiv auf die Gesundheit auswirkt – sofern du nicht an einer der oben genannten Beschwerden leidest, die die Einnahme von Ingwer zum Risiko machen -, liegt auf der Hand. Zusätzlich können die Scharfmacher in den ätherischen Ölen, die Gingerole und Shogaole, die Durchblutung ankurbeln und somit die Konzentrationsfähigkeit und Energie erhöhen.

Das heißt aber nicht, dass du einer schweren Erkältung nur mit Ingwer-Shots beikommen kannst. Im Gegenteil: Wenn du schon Fieber hast, kann sich die Zufuhr von Ingwer sogar nachteilig auswirken, da die Wirkstoffe deine Temperatur weiter steigern können. Auch hier bist du mit einem Gang zum Arzt und gegebenenfalls einer medikamentösen Behandlung auf der sicheren Seite.

Der Ruf von Ingwer als hilfreiches Mittel zur Gewichtsreduktion kommt hingegen daher, dass die ostasiatische Wurzel den Stoffwechsel und somit auch die Fettverbrennung anregt. Dieser vermeintliche Zusammenhang ist nicht klinisch nachgewiesen. Zwar hilft Ingwer beim Verdauungsvorgang, eine dauerhafte Wirkung ist jedoch nicht wissenschaftlich bestätigt.

Dass Ingwer gegen Krebs hilft, entbehrt dagegen jedweder Grundlage. Das Gewürz sollte deshalb von Betroffenen auf keinen Fall in Eigenregie eingenommen werden, sondern nur nach Absprache mit betreuenden Medizinern.

Anwendungen von Ingwer

Anwendungen von Ingwer

Hochkonzentrierte Ingwer-Shots sind sicherlich der schnellste und intensivste Weg, um die Inhaltsstoffe der Pflanze aufzunehmen. Aber auch für alle, die es etwas langsamer und genussvoller angehen wollen, gibt es viele einfache und schnelle Möglichkeiten, Ingwer in den alltäglichen Speiseplan zu integrieren und das eigene Immunsystem Schritt für Schritt zu stärken.

Ingwer-Wasser

Eine der einfachsten Maßnahmen besteht darin, einfach eine (oder je nach Geschmack mehrere) Scheiben rohen Ingwer ins Trinkwasser zu geben. Die Scheiben geben ihre Inhaltsstoffe und einen feinen Ingwergeschmack an das Wasser ab, der das Getränk ein bisschen aufpeppt, ohne Anfänger gleich durch die Schärfe abzuschrecken.

Ingwer-Tee

Der nächste Schritt ist Ingwer-Tee. Dafür werden Auch bei Ingwer-Tee kommen rohe Ingwerscheiben zum Einsatz – ihre Anzahl richtet sich nach der gewünschten Intensität. Die Scheiben werden mit heißem, aber nicht kochendem Wasser übergossen und sollten abgedeckt circa 10 Minuten ziehen. Je nach Belieben kannst du gerne noch Honig, Zitronensaft oder Kurkuma dazugeben – fertig ist der aromatische Tee.

Ingwer in die tägliche Flüssigkeitsaufnahme einzupflegen hat viele Vorteile. Wer ohnehin viel trinkt, muss seine Routine kaum verändern und Wenig-Trinker kommen dank dem aromatischen Geschmack auf eine höhere Flüssigkeitsaufnahme.

Rohen Ingwer kaufen

Um die vielen Mineralien und Vitamine der Knolle aufzunehmen, solltest du bei der Getränkezubereitung am besten mit frischem, rohen Ingwer arbeiten, nicht mit Pulver anderen, konservierten Formen. Wer die Wurzel fest ins Lebensmittel-Repertoire aufgenommen hat, kann sich an den nächsten Schritt wagen: Schneide dir ein Stückchen von der Wurzel ab und kaue es roh. Das ist – je nach Größe des Ingwerstücks – weniger intensiv, aber ähnlich wirksam wie ein Ingwer-Shot. Dabei solltest du folgendermaßen Vorgehen: Lege dir ein kleines Stück bzw. eine Scheibe geschälten Ingwers in eine Wange und kaue vorsichtig darauf herum, bis der Geschmack zu scharf wird. Schiebe den Ingwer in die andere Wange, warte kurz ab und kaue dann weiter. Nach einiger Zeit beginnt der Ingwer sich aufzulösen.

Ingwer in der Küche

Du kannst Ingwer auch ganz klassisch beim Kochen einsetzen. Hier kannst du nach Belieben mit der Wurzel, dem Pulver und anderen Formen der Pflanze arbeiten, kannst mit der Menge experimentieren und, falls dir der Geschmack nicht so sehr zusagt, die gesunde Zutat hinter anderen Aromen verstecken. Egal ob in der Pfanne gebraten, in die Suppe getaucht, im Curry gebadet oder beim Schmor-Gemüse im Backofen deponiert: Ingwer lässt sich quasi immer und überall unterbringen.

Nützliche Ingwer-Tipps

Nützliche Ingwer-Tipps

Wenn du erst einmal für dich bestimmt hast, wie du den Ingwer am besten für dich zubereitest, gibt es noch einige Tipps, die dir den Umgang mit der Wunderknolle erleichtern:

Schälen – Weniger ist mehr

Ein Stück Ingwer versammelt unter seiner Schale zirka 20 Wirk- und über 100 Inhaltsstoffe – und zwar direkt unter der Schale, ähnlich wie beim Apfel. Die Schale einer unbehandelten Wurzel kann theoretisch auch mitgegessen werden, der erdige, leicht bittere Geschmack ist allerdings nicht für jeden etwas. Als Faustregel solltest du deshalb versuchen, Ingwer immer möglichst dünn zu schälen.

Alter – Ingwer ist wie guter Wein

Ingwerwurzeln haben eine tolle Eigenschaft: Sie werden in der Regel nicht schlecht. Wenn du also ein paar Wochen, nachdem du den Rest der Knolle verzehrt hast, irgendwo noch einen kleinen Ingwer-Knubbel in deiner Küche findest – wirf ihn nicht weg. Zwar gibt die Pflanze umso mehr gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe ab, je frischer sie ist; doch je älter der Ingwer, desto intensiver der Geschmack. Zum Kochen kannst du also auch „angejährte“ Ingwerreste wunderbar verwenden.

Verarbeitung – Vorsicht ist geboten

Sofern du Ingwer frisch verarbeitest, wird dir schnell auffallen, dass die duftenden ätherischen Öle der Knolle auch ungeliebte Auswirkungen haben können – zum Beispiel, wenn du dir mit den Händen, mit denen du gerade ein Stück Ingwer gewürfelt hast, über die Augen reibst. Darum gilt für das Superfood dieselbe Regel wie für alle besonders aromatischen Speisen: Nach der Verarbeitung gründlich Händewaschen oder gegebenenfalls schon währenddessen Handschuhe tragen.

Zubereitung – Feines Aroma

Falls du deiner Gemüsepfanne einen leichten Hauch von Ingwer verpassen willst, ohne gleich alle anderen Geschmacksnoten zu überlagern, könnte dir folgender Tipp nützen: Brate ein Stück geschälten Ingwers im heißen Öl an – und nimm es wieder heraus, bevor du die anderen Zutaten in die Pfanne gibst. So bleibt ein zartes Ingwer-Aroma erhalten, dominiert aber nicht den Geschmack.

Geheimwaffe – Ingwer gegen schlechte Gerüche

Zu guter Letzt noch ein Tipp, der bisher vorwiegend in der asiatischen Küche angewendet wird: Ingwer neutralisiert durch seine ätherischen Öle schlechte Gerüche und aufdringliche Geschmäcker. Darum werden beispielsweise auch zum Sushi eingelegte Ingwerscheiben gereicht. Die Knolle aus Fernost ist also nicht nur kompetentes Hausmittel und leckeres Gewürz, sondern auch eine gute Waffe gegen schlechtem Atem.

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